Reise zum Planet der Affen

Einen Gastartikel der besonderen Art haben wir heute im Programm. Casi82 und seine frisch angetraute Ehefrau Pezy, machten sich auf den weiten Weg nach Südamerika, um im brasilianischen Dschungel dem Mythos „A.P.E. Cache“ auf die Spur zu kommen oder um es mit den Worten des Autors zu sagen, „um endlich diese olle Dose zu finden“. Wir freuen uns, dass sie uns an diesem Abenteuer teilhaben lassen und uns zu diesem Zweck Auszüge ihres Reisetagebuches zur Verfügung gestellt haben. Ganz herzlichen Dank dafür.

Freitag

Heute endlich mal wieder richtig ausgeschlafen. Nach dem Aufwachen Zähne geputzt, zwei Moskitos getötet, versucht die Ameisenstraße, die direkt von der Tür zur Kekspackung auf dem Nachttisch führte, umzuleiten und den Rucksack gepackt. Dann voller Tatendrang die Tür geöffnet und feststellen müssen, dass es noch stockdunkel war. Nach einem Blick auf die Uhr wieder ins Bett gelegt. Es war gerade mal 2:38 Uhr. Blödes Jetlag!

Drei Stunden später wurde unser fahrbarer Untersatz beladen und es ging die Küstenstraße entlang, unserem Ziel entgegen: GCC67 Project A.P.E. Cache, Mission 4 – Southern Bowl. Als kurzen Zwischenstopp fürs Frühstück wählten wir „Lanchonete Do Amiguiho“ in Ubatuba. Eine kleine Küstenstadt, die ihren Namen dem dort beheimateten Dauerregen verdankt. Wir hatten allerdings heute das seltene Glück und konnten unser Frühstück im Trockenen genießen. In einer kleinen Bar am Straßenrand, in die sonst nur Einheimische einkehren. Die Pause war jedoch kurz, denn wir wollten es heute noch mindestens bis „Peruibe“ schaffen. Was bedeutete, dass wir die Megametropole Sao Paulo umfahren mussten und noch mindestens 800 Bremshügel vor uns hatten. Was haben mich diese Bremshügel schon genervt. Ich war stellenweise so sauer auf die Dinger, dass ich am liebsten mit Vollgas darüber hinweg gebrettert wäre. Das hätte allerdings das Ende unseres treuen Gefährts und damit auch unseres Urlaubs bedeutet. Kurz vor Sao Paulo sahen wir dann, wozu diese Bremshügel eigentlich dienen sollen. Leider hatten sie an dieser Stelle aber völlig versagt. Ein Fußgänger konnte sich wohl nicht schnell genug auf die andere Straßenseite retten und wurde von einem Auto erfasst. Wir wurden daran vorbeigeleitet, bevor Arzt und Krankenwagen die Unfallstelle erreicht hatten. Das ist ein Bild, das ich wohl nie mehr vergessen werde.

Wenige Kilometer später tauchte plötzlich eine Mautschranke auf. So ein Mist! Eigentlich gingen wir davon aus, dass diese Straße mautfrei wäre. Dieser Meinung war meine Citynavigator-Südamerika-Karte von Garmin übrigens auch. Egal, so teuer kann es nicht werden, dachten wir. Also ran an die Schranke. Es gab sowieso keine Möglichkeit mehr zum Umkehren oder Ausweichen. Zu allem Überfluss erwischten wir die Automatikschranke an der natürlich niemand saß. Unser Auto war, im Gegensatz zu den 50 anderen Autos, die urplötzlich laut hupend hinter uns auftauchten, nicht mit einem elektronischen Autobahnmaut-Dingens ausgestattet. Da blieb nur: Nett in die Kamera lächeln und achselzuckend gestikulieren. Nach ca. 5 Minuten unter stetigem Hupkonzert kam tatsächlich jemand, der uns die Schranke öffnete und uns freundlich 80 R$ abknüpfte. Der normale Preis beläuft sich auf 7,50 R$. Diese Straße hatte allerdings den riesigen Vorteil, dass wir die 24 Mio Einwohner Metropole Sao Paulo flott passieren konnten und sehr schnell wieder den Strand sahen. Am Meer entlang ging es dann noch gute 50 km, bis wir an unsere Zwischenetappe kamen. Leider war das Wetter mittlerweile richtig bescheiden und auch das gemütliche Hotel, das wir gefunden hatten, konnte daran nichts ändern. Von der langen Fahrt waren wir so geschafft, dass selbst der nur zwei Kilometer entfernt liegende, noch zu holende FTF, uns nicht locken konnte. Deswegen sanken wir nach der obligatorischen Stadterkundung auch gleich ins Bett.

Samstag

Punkt 8:00 Uhr standen wir auf der Matte für das super leckere und reichhaltige Frühstück mit allen tollen Früchten der Region. Danach mussten wir die Rucksäcke zum Bulli schleppen. Dieser stand zwei Straßen entfernt. Man hatte uns zwar angeboten den Bus in die Einfahrt des Hotels zu stellen. Nur selbst wenn ich die Kiste da rein bekommen hätte, wäre ich wohl nie wieder heraus gekommen. Nun hieß es Abschied nehmen von der Küste, an der wir die ersten Tage unseres Urlaubs verbracht hatten. Es ging auf den nächsten 280 km ins Landesinnere, immer weiter Richtung „Intervales State Park“. Wir probten den Aufstand und wählten eine Strecke, von der uns sowohl Garmin als auch Google abgeraten hatte. Da aber selbst das Google-Streetview Auto hier irgendwie durchgekommen war, wollten wir es auch versuchen. Die Strecke führte auf 30 km unbefestigter Straße durch den Naturschutzpark und machte mir und dem Bulli sichtlich Spaß!

Wir waren beide in unserem Element. Der Parkwächter winkte uns freundlich durch die Schranke und es ging weiter den Weg entlang. Auf der Strecke machten wir zwei Fotopausen, die sich auch hervorragend dazu eigneten, den malträtierten Rücken wieder in Form zu bekommen. Außerdem genossen wir die frische Luft und die Geräusche des Dschungels. Am Ende der Schotterpiste waren zwei Tradis (GC2HP8R, GC2BK53) eingezeichnet, die wir nach etwa 800 Metern auf einem bewucherten Trampelpfad erreichten. Der letzte Fund lag schon ein Weilchen zurück und so mussten wir die Dosen unter einer kleinen Laubschicht suchen.

Zurück im Auto erreichten wir schnell so eine Art Autobahn auf der es zügig bis „Capo Bonito“, dem letzten großen Ort auf der Strecke, voran ging. Wir fanden ein kleines Lokal gleich am ersten Kreisverkehr in dem es für die nächsten 4 Tage den letzten Internetzugang geben sollte. Ich aß hier das leckerste Rindfleisch-Reis-Schinken-Gericht aller Zeiten!
Am Ortsausgang war dann auch für das Google-Streetview Auto Schluss gewesen und wir mussten ab der nächsten Ortschaft den richtigen Abzweig zum Park finden. Dank der kostenlosen Karte, die teilweise genauer war als die CN, war das überhaupt kein Problem.

( Sollte jemand auf der Suche nach Kartenmaterial sein oder den Track für die letzten Meter zum Cache benötigen, findet ihr die Downloads im Log. ) Die nächsten 30 km Schotterpiste bis zum Eingang des Parks ließen sich weitaus besser fahren als die ersten 30. Das lag nicht nur an der Straße, sondern auch daran, dass Pezy fuhr. Frau am Steuer eben. 😉 Sie hatte sichtlich Spaß daran, das große Steuerrad zu drehen, die Gänge durch wildes Rühren zu finden und den „Panzer“ über die Straße zu schaukeln. Am Eingang zum Park war der Schrankenwärter sichtlich bemüht seinen Job gut zu machen und erklärte uns wo sich die Rezeption befindet und wo wir parken können. Zumindest meinten wir das an seiner Gestik zu erkennen, denn wir verstanden kein Wort von dem was er da erzählte. Dass unsere Portugiesisch-Kenntnisse gen Null tendierten, sollte uns hier noch das Leben etwas schwerer machen.

An der Rezeption erklärten wir mit Händen und Füßen, dass wir zwei Nächte bleiben wollten. Auf dem Formular, das jeder von uns ausfüllen musste, kreuzte Pezy bei „Grund des Aufenthaltes“ „other“ an und schrieb Geocaching in die freie Zeile. Die gute Frau konnte sofort etwas damit anfangen und zeigte uns „Daumen hoch“. Hier in der Pousada „Pica-Pau“,

haben wohl die meisten Geocacher bisher ihre Unterkunft bezogen. Nachdem wir unser Zimmer auf dem riesigen Gelände gefunden hatten, luden wir erst mal unser Gepäck ab. Wir hatten den tollen Pool und das ganze Haus, wie die meisten Cacher bereits geschrieben hatten, auch diesmal (fast) für uns allein. Es war gerade mal 16:00 Uhr und wir hatten noch ca. 2 Stunden Tageslicht. Das GPSr zeigte den A.P.E. lediglich 900 Meter entfernt an, also starteten wir einen ersten Vorstoß. Leider führte uns das hiesige Terrain nur zu zwei anderen Caches, die wir aber auch nicht auf eigene Faust finden konnten. So brachen wir die Aktion ab und gingen ins Restaurant zum Abendessen. Während des Essens kamen zwei weitere einheimische Gäste, von denen glücklicherweise einer etwas Englisch konnte. Die junge Frau rief für uns in der Rezeption an und buchte uns für den nächsten Tag einen Guide, der uns einen kleinen Teil des Parks zeigen sollte. Danach beschäftigten wir uns wieder mit dem Essen. Die Speisen auf dem Buffet wurden in großen Tontiegeln und auf Brennern serviert, die mit einer Art Brennpaste befeuert wurden. Wir häuften unsere Teller voll, bis nichts mehr drauf passte. Es war einfach so lecker! Wir schlugen uns den Bauch mal so richtig voll und tranken noch zwei Bierchen.
Als wir vom Restaurant zurück zur Pousada gingen, fiel uns der beeindruckende Sternenhimmel auf. Wir waren wohl schon so weit ab der Zivilisation, dass keine größere Lichtquelle die tolle Aussicht behinderte. An der Pousada angekommen klebte ein merkwürdig aussehendes, großes Blatt an unserer Hauswand. Ich stupste es mit dem Schlüsselanhänger unserer Zimmertür an und die größte Motte, die wir je zu Gesicht bekommen hatten, begann mit den Geräuschen eines Hubschraubers abzuheben. Pezy verschwand mit einem „Oh Gott- Oh Gott“ in der Tür, um sich in Sicherheit zu bringen. Mit einer dicken Schicht „Diethyltoluamid“ (DEET) behaftet, krabbelten wir unter das Moskitonetz. Unglaublich welche Größe hier die Insekten erreichen.

Da das GPSr den ganzen Tag über angeschaltet sein musste, war der Vorrat an Akkus geschrumpft. Wie sich in dieser Nacht herausstellte, funktionierte das Ladegerät an 110V 60Hz leider nicht. Es leuchteten zwar die Lämpchen, aber die Akkus blieben leer. Mit Hilfe eines Powerpacks, das eigentlich für das Handy gedacht war und einem USB-Kabel konnten wir uns aber die nächsten Tage irgendwie behelfen.

Sonntag

Um 7:30 Uhr gab es ein simples, aber wieder super leckeres Frühstück im Restaurant und ab 8:30 Uhr wartete unser Guide an der Rezeption auf uns. In Jeans und Halbschuhen, so als ob wir gerade auf dem Weg in die Stadt zum Shoppen wären, trafen wir uns mit unserem Dschungelführer. Ich hätte mich ja gerne wie Indiana Jones ausstaffiert, aber aus Platzgründen mussten die ganzen Outdoor-Klamotten zuhause bleiben. Der Typ in Gummistiefeln mit Hut und riesigem Buschmesser am Gürtel fragte uns allerdings fairerweise trotz unseres unprofessionellen Anblicks, ob wir Lust auf eine Höhlentour hätten. Die Begeisterung von Pezy hielt sich darüber jedoch in engen Grenzen und so entschieden wir uns gegen Helm und Kopflampe und zogen eine Wanderung durch ein Bachbett vor.

Zuverlässig führte uns der Guide in einem Sicherheitsabstand von mindestens 500 Metern auf einer 8 km langen Wanderung um alle hier verfügbaren Caches herum. Allerdings hatten wir ihm ja auch nicht erzählt, was unsere eigentliche Intention für den Besuch dieses schönen Parks war. Kurzzeitig war der A.P.E. Cache sogar zum Greifen nahe, aber kein Weg zu sehen, der dahin führen könnte. Völlig fertig und durchgeschwitzt kamen wir wieder in unserer Pousada an und kühlten uns im Pool ab. Toll so ein Planschbecken. Von dem vielen Geplansche wurden wir hungrig und suchten das Restaurant auf. Frisch gestärkt stand fest: Jetzt ist der Cache fällig! Also ging es wieder los, mit langer Kleidung und festen Schuhen. Dank eines Vorlogs kannten wir den Namen des Trails und hatten einen Wegpunkt, an dem wir den Hauptpfad für den letzten Kilometer verlassen mussten. Mehr oder weniger machten wir jetzt also eine Letterbox aus diesem Cache. Eigentlich ist der Park so schön und es gibt so viel zu entdecken, dass der Cache zur Nebensache werden kann. Aber natürlich juckte es unter den Fingern diese „olle“ Dose nun endlich zu finden!

In einer Linkskurve befand sich der Punkt, an dem wir abbiegen mussten. Nur war hier weit und breit kein Pfad – lediglich Wald. Nachdem wir aber den ersten Busch etwas zur Seite gerückt hatten, kam ein Trampelpfad zum Vorschein. Das war mal wieder einer dieser Momente, in dem es galt all das zu verdrängen, was man vor dem Urlaub zu den Suchbegriffen „giftige Tiere Brasilien“ auf Google finden konnte. Aber, no risk no fun. Wir wollten ja unbedingt den Cache finden und davon konnte uns auch der Gedanke an die in Alkohol eingelegten Schlangen, die uns der Guide am Vormittag in seinem Büro präsentiert hatte, nicht abhalten.
Wir folgten dem Pfad, mit einem Stock vor dem Kopf wedelnd, um die Spinnennetze nicht mit dem Gesicht einzusammeln.

Nach 400 Metern sollte ein Tradi auf dem Weg liegen, den wir aber mal wieder nicht fanden. So ging es weiter bis, naja, eben Schluss war! Ein großer Baum lag im Dickicht quer und es gab kein Durchkommen. Der Dschungel unterscheidet sich damit gravierend von unserem heimischen Schwarzwald. Panzermodus funktioniert hier nicht. Wir kämpften uns durch die Äste des Baumes um dem Pfad auf der anderen Seite weiter zu folgen. Natürlich machten wir auch ordentlich Krawall, um alle Viecher, die im Geäst auf uns zu warten schienen, zu verscheuchen. Weiter über Stock und Stein endete plötzlich der Weg. Wir hatten schon eine ganze Weile nicht mehr auf das GPSr geschaut. „Wir sind da!“- „Wo?“ -„Na da!“ Ca. 10 Meter den Hang hinauf, sah ich einen Baum, der mir von zahlreichen Log-Fotos bekannt vorkam. Hinter dem Baum schaute eine Ecke der riesigen Munitionskiste hervor. Ein vom Baum gefallenes Blatt war die einzige Tarnung. Aber Tarnung ist hier auch völlig überflüssig. Auf der Kiste war schon etwas abgegriffen gerade noch so „Project A.P.E.“ zu lesen.
In den Tagen vor unserer Abreise sammelte ich allerlei Coins und TBs ein, die hier abgelegt werden sollten. Der Rucksack wurde somit auch gleich ein ganzes Stück leichter. Im Gegenzug nahmen wir alles mit, was sich an trackbaren Gegenständen in der Kiste befand. Nach dem obligatorischen Foto mit der brasilianischen Flagge und dem sorgfältigen Verstauen der Kiste traten wir den Heimweg an. Auf dem Rückweg fanden wir dann sogar auch noch den Cache, der sich uns auf dem Hinweg einfach nicht zeigen wollte. Von den 15 Caches hier im Park hatten wir nun immerhin schon 5 gefunden.

Angekommen in der Pousada tankten wir erst mal ordentlich Wasser und ich schälte mich aus den langen und viel zu warmen Klamotten. Der Pool war leider von Einheimischen belegt, die hier ihren Sonntag verbrachten und uns ohnehin schon verständnislos anschauten, weil wir in der größten Mittagshitze durch die Pampa gelatscht waren.
Nach einer kleinen Pause entschieden wir uns dazu, noch einen self-guided-trail zu laufen. Drei Caches führten uns dabei an spannende Stellen: Der erste zu einer Felswand, in der diese nimmermüden Kolibris ihre Nester hatten und ein und aus flogen.

Als nächstes landeten wir bei einer alten Burg inklusive Kaminzimmer und einer kleinen Kapelle, die allerdings mehr einem Schuppen ähnelte. An dem alten Gemäuer angekommen ging unser Puls kurz mal auf Anschlag als zwei riesige Echsen mit einer Länge von ca. zwei Metern aufsprangen und in verschiedene Richtungen lospreschten. Die beiden „putzigen Tierchen“ wärmten sich auf dem Steinboden der Burg und waren von uns wohl mindestens genauso überrascht wie wir von ihnen. Wir warteten bis eine der Echsen zurückkehrte, um noch ein paar Fotos von ihr zu schießen. Für Pezy waren diese Echsen ein Erlebnis. Sie freute sich sehr darüber, neben den bunten Vögeln auch noch andere wild lebende Tiere zu sehen. Nachdem sich die erhofften Geparden und Ozelots leider nicht gezeigt hatten.

Zurück in der Unterkunft bemerkten wir, dass eine der Einheimischen, die am Mittag noch den Pool belegt hatten, recht gut deutsch sprechen konnte. Es handelte sich um eine junge Brasilianerin, die vor kurzem als Austauschschülerin eine Zeit lang in Augsburg gelebt hatte. Wir hatten also einen neuen Dolmetscher.

Montag

Eigentlich war für heute die Abfahrt geplant, aber das Wetter war der Hammer, der Park so schön und alles was uns außerhalb erwartete, war eine riesige Metropole durch die wir uns durchquälen müssen. Wenn wir das also noch etwas hinaus zögern könnten, wäre es prima. Kurzentschlossen entschieden wir noch einen Tag hier zu bleiben.

Wir drehten eine 11 km Runde durch den Park, um auch noch die letzten der hier versteckten Dosen zu finden.

Bis auf eine gelang uns das auch. Der einzige Grund, warum wir heute schon nach Sao Paulo hätten fahren müssen, war das Problem des „Online Check In“ und das dazu benötigte Internet. Irgendwo in der Administration des Parks gab es aber wohl ein gutes altes 54k Modem, welches wir trotz Sprachbarriere ausfindig machen konnten. Hier befand sich dann auch so ein Typ, der ganz gut Englisch konnte und wahrscheinlich der Owner der ganzen Caches war. Wir haben ihn allerdings nicht danach gefragt.
Nachdem der notwendige Internetbesuch überstanden war, konnten wir wieder entspannt die Sonne genießen. Wie mir mein GPSr mitteilte, gab es hier doch noch überraschenderweise zwei weitere Caches, was bedeutete, dass wir nach dem Mittagessen gleich noch mal in den Dschungel spazierten. Es waren allerdings beides T4, was in diesen Breitengraden bisher immer mit einem lang andauernden Schweißausbruch verbunden war. Deshalb waren wir gespannt, ob das klappen würde. Wir sind hier schon bei T3 an unsere Grenzen gestoßen. Doch der Dschungel zeigte sich von seiner besten Seite und wir konnten die beiden Caches souverän meistern. Einer davon war über einen Trail erreichbar, der von Goldgräbern um 1703 angelegt wurde und seit 1950 nicht mehr verwendet wird. 60 Jahre Verwilderung sehen hier aus, als ob es den Trail nie gegeben hätte. Nur stellenweise konnte man erkennen, dass der Hang mal bearbeitet wurde um ein Packlager für die Pferdekarren anzulegen. Wir quetschten uns durch die dichten Bambusstangen, die hier überall aus dem Boden sprießten, schlugen mit einem Stock die riesigen Blätter kaputt, die uns im Weg waren und nutzten armdicke Lianen als Kletterhilfe, um zum Cache zu kommen. Die Sache mit dem Stock sollte das nicht vorhandene Buschmesser ersetzen und würde wohl in jedem Naturpark in Deutschland zu Diskussionen mit Naturschützern führen. Hier ist das allerdings notwendig, um die Wege wenigstens einigermaßen frei zu halten.
Angekommen an den Ziel-Koordinaten, mussten wir noch einen kleinen Abhang zu einem Wasserfall hinabsteigen und schon konnten wir die Dose von weitem leuchten sehen. Tarnung wäre hier total überflüssig und bei der Ungenauigkeit der Koordinaten unter dem dichten Blätterdach auch eher nervig. Nach dem Öffnen der Dose stellte sich heraus, dass das Logbuch unversehrt war und wir völlig überraschend einen FTF verbuchen konnten.
Zurück in der Pousada mussten erst mal die völlig verdreckten und mit Schlamm überzogenen Klamotten runter und zur Abkühlung der Pool aufgesucht werden. Nach nun mittlerweile 15 km Dschungel war es dann auch genug und wir chillten gemütlich dem Abendessen entgegen.

Hier die Übersicht der Caches im Park:

GC3MQ3G TATU – A Cave in Intervales State Park
GC3W1EE Wooden Chapel
GC3AN8N Fig tree
GC3WPM7 Variegated Antpitta
GC3B4BT Slaughtering Stone
GC3A58N Giant Antshrike
GC3WHD2 Self-guided Trail ( Trilha Autoguiada )
GC3WPY2 New lake
GC3BHFN Jesuita Trail
GC3V4MO Rain Forest
GC3W4FW Mirante (viewpoint)

Dienstag

Um 7:00 Uhr wachten wir von lautem Vogelgeschrei auf. Zumindest ich. Pezy wiederum wachte kurze Zeit später von meinem Gemecker auf. Da wir nun beide munter waren, machten wir uns fein und packten unsere Sachen. Vielleicht ist „feinmachen“ nicht ganz der richtige Ausdruck. Genau genommen mussten wir die verratzten Sachen, mit denen wir am Vortag durch das Unterholz gekrochen sind, nochmals anziehen, da uns die sauberen Klamotten ausgegangen waren. Wir hatten zwar noch eine Notreserve dabei, aber die wollten wir auf der langen und schweißtreibenden Tour nach Sao Paulo nicht auch noch einsauen. Wir beluden unseren Ethanolbomber und fuhren los – genau 75 Meter bis zum Restaurant.

Das letzte gute Frühstück wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Pünktlich um 8:00 Uhr trafen wir uns mit der netten Frau von der Rezeption um auszuchecken und um unsere Schulden zu begleichen. Vollverpflegung im Restaurant kostete übrigens so um die 40 R$ pro Person und Tag und beinhaltete bei uns auch alle Getränke. Wobei wir uns vorher mit reichlich Wasser vom Supermarkt eingedeckt hatten. Eine Übernachtung in der traumhaften Pousada kostet 35 R$ pro Person und Nacht. Das Frühstück ist dabei schon inklusive. Für die kleine cachelose Tour mit Guide haben wir 50 R$ bezahlt. Wobei es hier egal ist wie groß die Gruppe ist. Ich nehme aber an, dass eine längere Höhlentour etwas mehr kostet.

Wir verließen den Park wieder über die gleiche staubige Straße, die uns schon hierher geführt hatte, diesmal in Richtung „Capao Bonito“. Laut OSM gibt es wohl noch eine 2. Möglichkeit aber nicht ohne 4×4. Unser Ziel war es, ohne die Autobahn zu benutzen, gemütlich über die Dörfer mit kleineren Kaffee- und Futterpausen zum Ziel zu kommen. Leider erfand unser Oregon mal wieder Straßen, die es gar nicht gibt und es kam wie es kommen musste: Wir landeten auf einer staubigen Schotterpiste. Also stellten wir mal von CN auf OSM um und schon sah das Ganze besser aus. Wir wussten nun immerhin, dass wir diesen Weg auf den nächsten 40 km fahren mussten, wenn wir keinen größeren Umweg in Kauf nehmen wollten. Aber die Strecke war in einem sehr schlechten Zustand mit teils 50 Zentimeter tiefen Schlaglöchern und kopfgroßen Steinen mitten auf der Straße. Wir fuhren über die bereits bekannten Holzbrücken aus blanken Brettern ohne jegliches Geländer und ich freute mich in den Kurven über den Heckantrieb auf Sand. Nach ca. 10 km kamen wir an einen Anstieg, den das „Bussle“ nur noch im 2. Gang schaffte. Oben angekommen, war plötzlich der Wald verschwunden. Bis zum Horizont keine Bäume. Dafür aber so weit das Auge reichte Holzstapel über Holzstapel. Nach 20 km Fahrt durch eine wüstenähnliche Landschaft, trafen wir auf eine Zellulosefabrik. Es ist unfassbar, welch riesige Flächen hier für schnödes Papier dem Erdboden gleichgemacht werden.

Wir machten zwei Stopps an kleinen Bars, um uns zu stärken und das Dauerschwitzen mit Getränken auszugleichen. Am frühen Nachmittag kamen wir der Megametropole langsam näher und die Bebauung wurde immer dichter. Wir befanden uns im Speckgürtel von Sao Paulo. Das konnte man auch gut am sich ändernden Fahrverhalten erkennen: von chillig-ausgeglichen zu temperamentvoll-agressiv. Wir kämpften uns auf den letzten 50 km um die Stadt herum, mit teils 8 Spuren für eine Fahrtrichtung bis zum Flughafen, in der Hoffnung hier irgendwo eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Unser Flug sollte zwar erst morgen gehen, aber wir wollten nicht das Risiko eingehen im Stadtverkehr stecken zu bleiben. Völlig durchgeschwitzt und mit einer Duftnote á la „Pumakäfig“ im Auto, erreichten wir unser Ziel.
Nun galt es eine Tankstelle und ein Hotel zu finden, von dem wir in aller Frühe schnell den Flughafen erreichen konnten. Bei dem Versuch eine Tankstelle zu finden kamen wir leider wieder auf die Schnellstraße, was uns eine 20 km Extrarunde bescherte. Also fuhren wir das erste Hotel an, das uns in die Quere kam. Die Rezeption war allerdings digital und man konnte auf einem Monitor ein Zimmer wählen. Irgendwo konnte man sicherlich auch die Kreditkarte durchziehen, aber so weit kamen wir nicht. Während ich mich noch über die stolzen Preise für eine Übernachtung wunderte ( aber gut, wir waren ja in der Nähe vom Flughafen ), entdeckte Pezy die kleinen roten Herzchen an der Tür. Ich wiederum fand heraus, dass der Preis nicht für eine Übernachtung sondern lediglich für eine Stunde berechnet war, aber dafür wohl auch ein nettes Zimmermädchen inklusive war. Also schnell weg hier und auf zum nächsten Hotel. Wie sich herausstellte, waren in dieser Ecke alle Hotels gleich gestrickt und wir entschieden uns unter diesen Umständen dazu, das Auto zurückzubringen und die Nacht am Flughafen zu verbringen. Im Auto schlafen, wofür dieses sich eigentlich super eignen würde, wollten wir hier mitten in der Stadt nicht.
Jedoch: Direkt am Flughafen gab es noch ein CaesarPark Luxushotel… Völlig fertig und immer noch im geruchstechnisch angepassten Schweineoutfit fuhren wir vor. Der Portier bekam meinen Autoschlüssel und durfte unseren verbeulten Luxuswagen neben die anderen Luxus-Klassen parken. Nachdem der Schock über die Zimmerpreise verdaut war, entschieden wir uns einzuchecken. Das stand zwar nicht auf unserer Budgetplanung für diesen Urlaub, aber es war schließlich auch unsere Hochzeitsreise. Also warum eigentlich nicht? Als wir die Rucksäcke ausladen wollten, stellten wir fest, dass der Kofferraum nicht richtig geschlossen war und sich durch die unbefestigten Straßen zentimeterdicker Staub im ganzen Auto verteilt hatte. Wir klopften die Rucksäcke notdürftig ab und brachten unter den abschätzenden Blicken der anderen Gäste alles aufs Zimmer. Anschließend widmeten wir uns der nächsten Aufgabe und brachten den Bus zurück zur Mietstation.
Wir hatten wenig Hoffnung, dass niemand die abgefallene Sonnenblende, die verloren gegangene Radkappe und die herausgerissene Rücksitzbank(!) bemerken würde. Dass das Auto innen vom Staub komplett rot gefärbt war, machte die Sache auch nicht besser. Die 140km Schotterpiste und ca. 1000 Bremshügel, von denen wir den ein- oder anderen übersehen hatten, blieben eben nicht ohne Folgen. Doch siehe da, ein Wunder geschah, das Auto wurde ohne jegliche Beanstandung zurückgenommen. Ein absolut unerwarteter Abschluss unserer langen Reise zum Planet der Affen. Viva Brasil!

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Reise zum Planet der Affen

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